Montag, 23. Februar 2009

96 Hours


Durch die Bank ein solider Action-Streifen der besseren Sorte. Liam Neeson macht seine Sache gut, wenn auch die Vermutung naheliegt, dass das Drehbuch auf ihn zugeschrieben wurde, da er in nahezu jeder Szene irgendwie partizipiert. Zwar war die Geschichte ein wenig seicht und wirkte stark konstruiert, doch darüber will ich bei Actionfilmen gar nicht reden, hier steht eben das Augenkino im Vordergrund. Der Film weiß damit auch wirklich zu überzeugen. Die Kampfchoreographien sind flink, fließend und innerhalb der Filmwelt realistisch.
»Gefallen« ist für die nächsten Zeilen das falsche Wort. Besonders interessant fand ich die Grenzüberschreitungen, die Neesons Charakter begeht. Er stellt sich an eine Stelle jenseits von Gut und Böse, er handelt einfach eiskalt auf sein Ziel ausgerichtet. Jedes Mittel ist gut und billig, um seine Tochter zu retten. So schießt er nach einem vorgetäuschten Besuch zum Dinner der Frau eines alten Freundes ohne Ankündigung in den Arm, um so Informationen von seinem alten Bekannten zu erhalten. Ebenso die Folterszene: erst foltern, dann fragen. Damit der Arsch auch weiß, dass man es ernst meint. Sehr gut nachvollziehbar, aber selten anzutreffen, diese Kompromisslosigkeit in der Darstellung. Der Charakter wird so entfremdet. Er ist weder Held, noch Schurke, er ist jenseits dessen einfach das, was er eben ist: Mensch und Vater, dem alles Recht ist, um seine Tochter wiederzubekommen.
Gestört haben mich aber auch ein paar Dinge. Vor allem die Unverwundbarkeit des Protagonisten. Er schießt, prügelt und rast sich durch den ganzen Film, erledigt bestimmt über 25 bewaffnete und teilweise auch ausgebildete Personen, ohne einen Kratzer zu bekommen, bis ein ziemlicher Hanswurst ihm im letzten Kampf eine Schusswunde und zwei Schnitte beibringt. Entschuldigung, ein wenig mehr Verletzlichkeit hätte der Darstellung wirklich nicht geschadet, so jedoch waren die Kampfsequenzen zwar weiterhin schön anzusehen, aber auch nicht mehr wirklich fesselnd, weil man nie in Sorge um den Protagonisten geriet.
Ferner hat mich zeitweise der zu schnelle Schnitt gestört. Freilich, dadurch wirkt der Film schneller und es entsteht Dynamik, keine Frage; aber verdammt nochmal, ich will auch sehen, was da jetzt genau gekämpft wurde! Manchmal konnte man nur wirbelnde Körperteile sehen und war sich erst zwei Einstellungen später darüber im Klaren, welche das nun waren. Nicht wirklich schlimm, aber es hat genervt.
Ansonsten lässt der Film nur zwei kleinere Erholpausen, die ein wenig störend wirken, nachdem vorher fast non-stop Action gezeigt wurde.
Trotzdem ein solider Film. Kann man sich durchaus auch auf DVD zulegen, keine Fehlinvestition.
Und bevor ich's vergesse: der Charakter der Mutter NERVT!

1 Kommentar:

  1. Hört sich nach einem richtigen Männerfilm an.
    Ach, war der Vater schwul? *gg*
    Und Mütter MÜSSEN nerven. Das ist von der Natur so gewollt.

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