Mittwoch, 29. Dezember 2010

Schreibdrang

Seit einiger Zeit gelüstet es meine verknabberten Finger, mich an die Tastatur zu setzen und etwas zu schreiben. Das Problem meiner Finger ist nur, dass sie gar nicht merken, dass es da ein Problem gibt. Mein Gehirn weiß nämlich nicht recht, was es als Wortsignale an die Wichsgriffel senden soll. Da sitze ich nun also, vor mir ein weißes Textfenster und in meinem Gehirn ein wabernder Nebel aus Gedanken, die sich mit allem und gar nichts beschäftigen.
Als kreativer Mensch ist es mir ein Drang, Werke zu schaffen. Wählerisch bin ich dabei nicht. Solange ich etwas schaffen kann, das mir Freude bereitet, ist es mir gleich, ob das nun Videos, Musik, Bilder, Texte, darstellende Künste oder Arrangements aus Müll sind. Dämlicherweise war es allerdings schon sehr früh eines meiner Laster, mich verstärkt schriftlich auszudrücken. Es gab eine Zeit, da habe ich über vieles gebloggt. Seien es Erlebnisse etwaiger Natur, von Liebschaften, Drogenerfahrungen, pubertären Ausflügen (da gäbe es nun eine lustige Geschichte zu erzählen, von einem Ausflug als ich zarte 15 war und mal eben einen damaligen Internet-Kumpel besuchte, eine Woche wegblieb und mich Sonntag abends bei meiner Mutter verabschiedete, indem ich sagte, ich müsse noch mal kurz weg; als ich wieder heimkam, hatte ich einen der bizarrsten und heftigsten Trips meines Lebens hinter mir) oder Beobachtungen fremder Menschen an beliebigen Orten. Oder Gedanken zu Politik, Literatur, Kino, Film, Musik oder menschlicher Verhaltensweise. Ich habe noch einige dieser Posts und Blogeinträge gespeichert und wenn ich sie heute lese, muss ich über diesen notgeilen, arroganten, kleinen Mistkerl schmunzeln, der ich war. Einerseits hat sich nicht viel an mir geändert, andererseits bin ich ein vollkommen anderer Mensch. Klingt dämlich, aber jeder, der so objektiv, wie es subjektiv möglich ist, auf sein eigenes Pubertäts-Ich zurückblickt, wird verstehen können, was ich damit sagen will.
Doch heute gestaltet sich dieses Schreiben irgendwie schwieriger. Ich habe Ansprüche an mich selbst; wenn etwas geschrieben wird, dann auch etwas Gutes, Wertvolles. Es soll durchdacht, ästhetisch, vielleicht gar künstlerisch sein. Ich würde seit langem gern ein Buch schreiben. Obwohl, das ist gelogen. Ich würde gern drei verschiedene Bücher schreiben. Wenn nicht gar mehr. Da sind so viele Ideen in meinem Kopf, so viele Charaktere und Worte, die gern ein Medium bekämen, doch ich fürchte mich davor, diesen Gedanken nicht gerecht werden zu können und so bleiben sie wohl verschlossen in meiner Gedankenschublade. Aktuell ist der Wunsch, den Fantasy-Roman, der so lang schon in mir brodelt, endlich auf Papier zu bringen. Doch auch hier: in meinem Kopf ist die Geschichte ein Ganzes, ein episches Abenteuer, doch die Vorstellung, alles geordnet niederzuschreiben, ist gigantisch. Im Sinne der Komplexität dieser Aufgabe. Es gäbe so viel zu tun: die generelle Wortwahl zu bestimmen, die Charaktere auszubauen, die verschiedenen Schicksale und Handlungsstränge aufzubauen und dies in einer Art und Weise, dass sie weder langatmig, noch zu ungenau, weder vorwegnehmend, noch zurückhaltend bleiben. Sie müssten so verwoben werden, dass dieses Gefühl, das ich in meinem Gehirn habe, förmlich aus den Seiten über den Leser herfällt.
Im Grunde glaube ich, dass ich den Menschen generell Freude bereiten will. Mir macht es Spaß, wenn Leute meinetwegen glücklich sind oder ich sie erheitern kann. Andererseits bereitet es mir zu viel Vergnügen, Menschen Streiche zu spielen, oder manchmal sogar auf ihnen herumzuhacken. Diese schlechte Angewohnheit konnte ich aber, der überstandenen Pubertät und intensiven Gedanken mir selbst gegenüber sei Dank, weitestgehend abstellen. Auch die Rolle meiner Freundin sollte da nicht verschwiegen werden; sie hat mich definitiv zu einem besseren Menschen gemacht, ohne mich dazu zu zwingen oder auch nur darum zu bitten. Es ist einfach ihre Präsenz, die Tatsache, dass sie mich liebt. Das ist die schönste Erfahrung, die ich je gemacht habe.
Vielleicht stelle ich deshalb auch meine Let's Plays auf YouTube zur Schau. Anfangs habe ich die ausschließlich zu meinem eigenen Vergnügen gemacht, viele fanden nie den Weg auf YouTube, existieren gar nicht mehr. Da war so viel Hirnflatulenz drin, die mich erheiterte, mit der ich aber niemanden sonst als Lokus missbrauchen wollte. Und wie es mir so eigen ist, stiegen meine Ansprüche immer mehr. Ich wollte vom drögen Dummlabern wegkommen und den Spielen gerechter werden; und habe dabei irgendwie die Linie verloren. Ich konzentriere mich derzeit zu sehr darauf, korrekt und prägnant die Spielinhalte zu zeigen, anstatt einfach eine andere Art der Darstellung der Spiele zu fertigen, was ein LP an sich sein sollte. Es soll unterhalten, meine Kommentare sollen lustig und unterhaltsam sein. Information in allen Ehren, aber damit übertreibe ich es zur Zeit einfach. Ich gebe so viele Fakten heraus, dass ich dazwischen nichts kohärent Lustiges mehr zu erzählen imstande bin. Ich meine: wen interessiert es schon, quasi einen gesprochenen Wikipedia-Eintrag zu sehen, der mit visueller Veranschaulichung kredenzt wird? Mich mal nicht, weswegen ich meinen Kram sogar selbst nicht mehr mag.
Ich werde mir nach Twilight Princess eine Auszeit nehmen und etwas Abstand aufbauen, damit die Batterien wieder aufgeladen sind und ich einfach tue, wonach mir die Nase steht. Das ging mir nach Alundra spätestens verloren. Ob ich Metroid Prime dann noch fortführe, neu beginne oder abbreche, wird sich zeigen.
Falls ihr noch verfolgt, was ich hochlade, löscht mich nicht aus euren Abos, wenn ihr sehen wollte, was kommt, wenn ich wieder weitermache. Das könnte etwas dauern, vielleicht gelingt es mir aber auch, den Schalter schon in der nächsten Stunde umzulegen. Andererseits überlasse ich euch selbst, was ihr abonniert. Die Funktion ist eben praktischer, als sich zu jedem Channel Bookmarks zu setzen und diese manuell abzurufen; mehr ist es aber auch nicht. Well, well, well.
Bis hierher soll es dereinst genügen. Ich muss jetzt Schnee schippen gehen, bevor sich die Gartenheckensheriffs in dieser Spießbürgerstraße, in der meine Großeltern leben, draußen die Knochen brechen, weil sie auch ja jeden Zentimeter Bordstein auf Schnee- und Rutschfreiheit testen müssen. Wahrscheinlich werden sie arg unglücklich sein, wenn sie hier nichts zum Anzeigen finden. Seltsames Volk...

2 Kommentare:

  1. Eigentlich habe ich schon gewusst, dass du ein intelligenter Mensch bist. Aber dieser Eintrag schiesst wirklich den Vogel ab. Vor allem wundere ich mich über dein Wortwahl xD(wo ist mein Duden?) Jetzt mal ehrlich, ich würde wirklich dein Buch lesen, wenn du wirklich eins machen würdest. Die Fantasien auf ein Medium zu bringen ist wirklich nicht einfach. Man hat es zwar im Kopf aber einfach die Umsetzung ist das Problem. Und das Problem mit deinem Let's play's hast du richtig erkannt. Ich selber wusste es zuerst nicht, aber du hast recht. Ich vermisse den Diesel, der witzig aber gleichzeitig auch informativ war, weil so etwas habe ich noch nie gese....gehört. Es ist aber schon schwierig die Balance zwischen Informativ und Witzigkeit zu finden, weswegen ich dir eine Pause auch nur wärmstens empfehlen kann. Ich werde dich aber nich deabonnieren. Egal wie lange die Pause auch ist, du hast mein Wort als Abonnent. ^^

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  2. Sei es nun aus Faulheit oder mangelnder Kompetenz bei der Ausfüllung diverser Anmeldeformulare- ich möchte mich hier einmal ungeachtet der Frage, ob du die Kommentare verfolgst, als Langzeitverfolger deines Tuns, sowohl hier als auch als Regisseur auf Youtube, zu Wort melden.

    Seit ich damals (Langatmigkeitsalarm) durch eines der süßen Gifte des Lebens, Zufall geflucht, als begeisterter Spieler der selben Reihe auf deinen berüchtigten Hitman: Blood Money-Spieldurchgang gestoßen bin, merkte ich, wie deine Spiel- und Sprachweise bereits nach wenigen Durchläufen zu begeistern wusste- nie habe ich zuvor ein „Let’s Play“ so gern komplett durchgeschaut.

    Aber genug der Abschweifungen- es soll kein starrsinniger Müllaufsatz sein. Was ich im Kern zu überbringen gedenke: Geh und lade deine „Batterien“ wieder auf, sodass sich noch viele, zu denen natürlich auch du als kreativer Geist hinter dem Projekt zählst, daran erfreuen können. Ohne eigenen Spaß an der Sache wird auch nichts daraus werden und ich kann als ausgiebiger „Let’s Play“-Schauer auch bestätigen, dass das „Let’s Play“en aus reinem Pflichtgefühl gegenüber der Sehgemeinde auch nicht gut Endet.

    Tu das Richtige und setze irgendwo eine Grenze, wo sie dir passt. Es sind deine Werke und dir müssen sie als erstes gefallen, bevor es um andere Personen geht. Hab wieder Spaß daran, damit auch wir in Zukunft wieder mit Freude deiner Zunge lauschen können. Und selbst wenn du nicht wiederkehren solltest, so würde sich zwar viel Staub anhäufen, aber darunter wird immer die Erinnerung an das, was du Geschaffen hast, liegen. Man sagt ja schließlich, dass Kunst und Künstler keinen Tod kennen würden.

    Um abschließend meine Großmutter zu zitieren und einen erbärmlichen Mist anzuhängen: „Viel Glück auf all deinen Wegen“ und auch im Kampf mit dem Papier. Möge deine Schippe niemals stecken bleiben.

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