Mittwoch, 25. März 2009

»Intelligent« ist das neue »Dumm«

Ein Teil von mir ist ein großer Freund von Netzwerk-Plattformen wie »Wer kennt wen?«, »StudiVZ« und wie sie alle auch heißen mögen. Man kann, wie einem Bücherregal gleich, alle Menschen, die man mal irgendwo gesehen und um eine Mark angeschnorrt hat, schön ordentlich ablegen und einsortieren. Im Bedarfsfall sogar auf die Nerven gehen oder wahlweise aufrichtige Fragen stellen, alte Bande knüpfen oder sonstiges, zwischenmenschliches Kleinod anbringen. Irre praktisch, auf eine Art erschreckend unecht, aber alles in allem doch ganz nett.
Der andere Teil von mir hasst diese Plattformen. Hunderte Leute sagen einem, dass man sie kennt, obwohl man das nicht tut oder einfach nicht will. Vorhin erst bekam ich wieder die Nachricht, »Jemand hat dich gefunden!« präsentiert. Betreffende Person schickt mir diese Bekundung seit Monaten, ohne zu merken, oder merken zu wollen, dass ich keinen Kontakt haben und nicht einmal ihre Existenz anerkennen möchte. In diesem speziellen Fall bin ich jedoch sicher, dass dieses Wesen zu dumm ist, um wirklich darauf zu kommen, dass ich sie nicht mag und nicht mögen oder gar kennen will. In dessen Gehirn läuft der Mechanismus von vielen ab: »Oh, den habe ich schon mal gesehen! Also kenne ich ihn. Daher muss ich ihn aufnehmen. Dann habe ich wieder jemanden mehr und kann besser mit der Anzahl derer angeben, die ich vorgebe, zu kennen!« In den Köpfen der Menschen, die so ticken, erscheint dieser Mechanismus als Win-Win-Situation. In meinem Kopf erscheint das als knieendes Flehen, betreffende Person notzuschlachten.
Der Anteil von gröbster Dummheit in diesen Plattformen ist verheerend für mich. Jemals einer in einer der zahllosen »Intelligenz-Gruppen« gewesen? Erschreckend, wirklich fürchterlich. Wenn all jene, die sich in solchen Gruppen tummeln, wirklich intelligent sein sollten, muss ich der Übermensch sein. Alle fordern ein Gesetz gegen Dummheit dort, dabei wären sie mit als erste betroffen. Wo doch schon allein eine Forderung nach so etwas - bei all ihrer Attraktivität! - hochgradig dumm ist. Meiner Vermutung nach sind alle, die wirklich intelligent sind, genauso wie ich, nach zwei Minuten wieder als solchen Gruppen ausgetreten, weil sie es weder mit ihrem Gewissen, noch mit ihrem Stolz vereinbaren konnten, sich mit Dummen in einen Topf zu werfen und hinzunehmen, sich mit ihnen auf eine Stufe stellen zu müssen. Wer wahrlich kopfstoßende Dumme beim Dummsein betrachten möchte, der gebe einfach den Begriff »Dummheit« bei der Gruppensuche in WKW ein und wird Mitglied einer wahllosen Gruppe. Der Effekt ist überall derselbe.
Doch störender noch als diese selbstdeklarierten Intelligenztiere, sind die Profile der allermeisten davon. Wenn ich bei dem Steckbriefpunkt »Bücher« schon »Weil ich ja auch lese...«, »Zu faul«, »Ja, klar...«, »Zu langweilig!«, »Um Gottes willen!« oder »Lesen ist SCHWUL!« (sic) lesen muss, weiß ich nicht, wo ich mir da hinfassen soll; der Kopf ist mir zu schade dafür.
Mich depremieren diese Leute, die fortlaufend darauf beharren, angeblich intelligent zu sein, es in alle Welt hinausschreien, dabei aber nicht mal ansatzweise die Kriterien erfüllen, um in diesen Kreis aufgenommen werden zu dürfen.
»Intelligenz« ist mittlerweile ein so verkommener Begriff, dass ich beschlossen habe, nicht mehr intelligent sein zu wollen. Außerdem werde ich um Menschen, die von sich selbst sagen, sie seien intelligent, wenn man sich mit ihnen unterhält, distanzieren. Intelligent ist nämlich auch ein Seeschwamm. Ich werde mich fortan ganz bescheiden als »geistig besser« bezeichnen. Dann sind die Dummen Intelligenten wenigstens auch wieder angemessen beleidigt und sagen mir mit ihren unendlichen, intelligenten Redefähigkeiten, dass ich mich ficken soll.

Mittwoch, 11. März 2009

Papas Schießprügel

Wieder hat jemand die Nerven verloren und mal in der Schule Papas Schießeisen auf Funktionalität überprüft. Der Test verlief wohl recht erfolgreich: 17 16 Opfer gehen auf das Konto eines weiteren Gehirnpuddings. Das Resultat dieses Ereignisses sehe ich auch schon drohend am Horizont heraufziehen. Die Debatte um Ego-Shooter wird wieder losbrechen und diesmal wohl noch mehr Wind unter den blinden Flügeln tragen, da die Vorfälle sich in immer kürzeren Abständen wiederholen. Tja, wenn der Babbes 18 Schießprügel legal zu hause hat und die nicht wegschließt, könnte man ja unter Umständen annehmen, dass die männliche Seite der Familie ein ohnehin bedenklich liebevolles Verhältnis zu Schusswaffen hat. Findet man jedoch Spiele auf dem Rechner vor, in denen man sogar Gebrauch von virtuellen Waffen machen kann, ist selbstverständlich klar, was wirklich Schuld an diesem jüngsten Killing Spree ist.
Ich erkenne hier keinesfalls ab, dass »Killerspiele« bei sowieso schon behinderten Affen durchaus schwerwiegende, zur Tat motivierende Impulse liefern können oder das in manchen Fällen mit Sicherheit auch tun.
Allerdings kotzt es mich an, dass Deutschlands Volk auch im Jahre 2009 noch einen Sündenbock benötigt, auf den es unter dem Deckmantel der politischen Korrektheit einprügeln kann, um so wenigstens an der öffentlichen Debatte teilnehmen und seine uninteressante Meinung mitteilen zu können. Im aktuellen Fall wird doch einem Normaldenkenden mit wenigstens einer gesunden Hirnhälfte klar, dass da wohl nicht die Ego-Shooter, sondern vielmehr die 18 (diese Zahl ist gewaltig!) frei zugänglichen Waffen die Tat ermöglichten und wohl auch hauptsächlich motivierten. Wenn der Vater soviele Knarren besitzt, werden sie wohl eines seiner Hobbies sein. Klar, dass man seinem Jüngsten gern seine Hobbies vorstellt, am besten, sobald er halbwegs begreifen kann, was Waffen anrichten. Die aus soviel - für einen damals vielleicht Zwölfjährigen, in diesem Gedankenexperiment - frei zugänglicher Macht und Zerstörungskraft resultierende Entwicklungsstörung ist sicher irrelevant. Denn er spielte ja Killerspiele, for fuck's sake!
Ich bin schwerst gespannt, wieviele Nerven mich diese geschmacklose »Nicht unsere Erziehung oder unser Umgang mit Waffen, sondern die da sind schuld dran!«-Diskussion wieder kosten wird.

Montag, 9. März 2009

Eragon - Die Weisheit des Feuers

Zwar hatte ich auf den dritten Teil der Eragon-Saga bei weitem nicht so sehnsüchtig gewartet, wie seinerzeit auf die Potter-Bücher fünf, sechs und sieben - ja, ich mag die Potter-Bücher! -, aber dennoch war ich sehr wissbegierig, wie es dem jungen Drachenreiter wohl weiterhin ergehen möge. Doch die Zeit und viel andere Literatur hat ihre Spuren auf mir hinterlassen.
Es dauerte wahnwitzige 230 Seiten, bis ich endlich das bei Fantasy- und Science-Fiction-Literatur geliebte Gefühl hatte, mich »im Buch« zu befinden. Die Sogkraft des dritten Bandes ist weitaus niedriger, als die der ersten Bände. Dies könnte daran liegen, dass ich einige Tage älter bin als zu der Zeit, da ich den ersten Eragon-Band las. Man merkte dem Stück an, dass ein jugendlicher Autor es geschrieben hatte; es waren keinerlei Nebengeschichten vorhanden, die die Geschehnisse auf weiterer Ebene vorantrieben. Allerdings kam ein sehr ungehemmter Lesefluss auf, den ich sehr hoch schätzte. In Band Zwei machte Paolini dann die Grätsche und verwob die Flucht der Bewohner Carvahalls und insbesondere Rorans Kreuzzug in den vormals ungetrübten Erzählfaden um Eragons Schicksal. Im dritten Teil machte er genau dort weiter, schob sogar Kapitel aus Drachensicht ein, die ich zwiespältig betrachte. Einerseits finde ich die Idee hübsch, andererseits die Umsetzung grauenhaft. Die Drachen als höchstintelligent zu bezeichnen, ihnen dann jedoch eine so plumpe Denk- und Sprechweise aufzuzwingen, die zwar analytisch, aber viel schwerwiegender infantil wirkt, will mir gar nicht gefallen.
Zudem muss ich gestehen, den Band auf Deutsch gelesen zu haben. Hier muss dann auch anmerken und -prangern: die Zeichensetzung ist unter aller Sau, meine Herren. Kommata sind keine willkürlich streubaren Elemente der deutschen Sprache, sondern nach klaren Regeln einzusetzende Satzgliederungen. In einem Bestseller-Roman über eklatante Fehler wie »Nicht dass ich wüsste.« zu stoßen, stößt mir schon sehr sauer auf.
Auch verfällt Paolini endgültig zu sehr in der detailierten Beschreibung von meiner Meinung nach nichtigen Rüstungen, Bauten oder Schnörkeln. Ja, ein Autor fantastischer Literatur ist darauf angewiesen, sein Gedankenkonstrukt zu beschreiben. Aber irgendwo gibt es Grenzen, die nicht überschritten werden sollten, weil diese Versessenheit auf Kleinigkeiten einfach so ermüdend langweilig ist, dass ich das Buch aus der Hand legen oder wahlweise ganze Absätze überspringen möchte. Die Geschichte nahm dadurch lähmend langsam an Fahrt auf und die, im Vergleich zu anderem, nur rudimentär beschriebenen Schlachtszenen wirkten farblos und hingeschludert. Ich war zwar nicht in meiner »Ehre als Leser« getroffen, aber es hat mich enttäuscht.
Die Geschichte selbst hingegen zu beurteilen ist völlig müßig, da jeder hier für sich selbst entscheiden muss, ob sie ihm gefällt. Mir gefällt sie nach wie vor, aber der Zauber der beiden ersten, vor allem des ersten Bandes, bleibt leider aus. Dennoch werde ich mit Freuden auf das Finale warten und es lesen, sobald es veröffentlicht wurde.

Dienstag, 3. März 2009

Buchdegradierung

Was hat es mit dieser neuen Mode auf sich, gute Bücher mit neuen, den Verfilmungen entliehenen Covers zu versauen? Entschuldigt, werte Stimmen in meinem Kopf, aber hier muss ich leise gegen das laute Leben protestieren. Was soll der Mist? Die Bücher waren zuerst da, sie haben erst die Grundlage für den Film gebildet. Anders als bei den "Büchern zum Film", wie es sie bei Star Wars gibt, die einfach die Geschichte des Films verfeinern oder weiterstricken, ist es bei Buchverfilmungen eine dreiste Frechheit, die Bücher den Filmen unterzuordnen. Hier greife ich nur das aktuellste Beispiel auf, das ich gestern im Buchladen meines Vertrauens sehen musste: Bernhard Schlinks »Der Vorleser«. Was soll das? Kate Winslet auf dem Cover? Die Alte mag eine tolle Hannah gespielt haben, das kann ich noch nicht beurteilen, aber Szenenbilder eines Hollywood-Blockbusters auf das Buch zu hauen, das den Film erst ermöglichte, ist eine Frechheit. Es sollte umgekehrt sein, wenn überhaupt. Buch und Film sind zwei grundverschiedene Medien. Bei meiner ganzen Liebe zum Film - und die ist nicht gerade winzig! -, hier rebelliert etwas Elitäres in mir. Ein weltliterarisches Schwergewicht wie beispielsweise Schlinks Vorleser dem Film unterzuordnen ist einfach geschmacklos. Damit degradiert man in meinen Augen sowohl das Buch als auch den Autoren dahinter, nur um nochmal neue Kasse mit dem Werk zu machen. Selbstverständlich ist es eine große Ehre, eine Vorlage für einen Hollywoodfilm geliefert zu haben, aber den Film dann zu benutzen, um das Buch als Goldesel zu missbrauchen ist einfach falsch.
Wenn man eine Verbindung dieser zwei Medien herstellt, dann doch bitte in der richtigen Rangordnung: ein Buchcover als Filmcover, aber keine Filmszenen, die einem jede Chance zur Eigenkreation der Charaktere im eigenen Kopf rauben.
Kotzen könnt' ich ob dessen.