Zwar hatte ich auf den dritten Teil der Eragon-Saga bei weitem nicht so sehnsüchtig gewartet, wie seinerzeit auf die Potter-Bücher fünf, sechs und sieben - ja, ich mag die Potter-Bücher! -, aber dennoch war ich sehr wissbegierig, wie es dem jungen Drachenreiter wohl weiterhin ergehen möge. Doch die Zeit und viel andere Literatur hat ihre Spuren auf mir hinterlassen.Es dauerte wahnwitzige 230 Seiten, bis ich endlich das bei Fantasy- und Science-Fiction-Literatur geliebte Gefühl hatte, mich »im Buch« zu befinden. Die Sogkraft des dritten Bandes ist weitaus niedriger, als die der ersten Bände. Dies könnte daran liegen, dass ich einige Tage älter bin als zu der Zeit, da ich den ersten Eragon-Band las. Man merkte dem Stück an, dass ein jugendlicher Autor es geschrieben hatte; es waren keinerlei Nebengeschichten vorhanden, die die Geschehnisse auf weiterer Ebene vorantrieben. Allerdings kam ein sehr ungehemmter Lesefluss auf, den ich sehr hoch schätzte. In Band Zwei machte Paolini dann die Grätsche und verwob die Flucht der Bewohner Carvahalls und insbesondere Rorans Kreuzzug in den vormals ungetrübten Erzählfaden um Eragons Schicksal. Im dritten Teil machte er genau dort weiter, schob sogar Kapitel aus Drachensicht ein, die ich zwiespältig betrachte. Einerseits finde ich die Idee hübsch, andererseits die Umsetzung grauenhaft. Die Drachen als höchstintelligent zu bezeichnen, ihnen dann jedoch eine so plumpe Denk- und Sprechweise aufzuzwingen, die zwar analytisch, aber viel schwerwiegender infantil wirkt, will mir gar nicht gefallen.
Zudem muss ich gestehen, den Band auf Deutsch gelesen zu haben. Hier muss dann auch anmerken und -prangern: die Zeichensetzung ist unter aller Sau, meine Herren. Kommata sind keine willkürlich streubaren Elemente der deutschen Sprache, sondern nach klaren Regeln einzusetzende Satzgliederungen. In einem Bestseller-Roman über eklatante Fehler wie »Nicht dass ich wüsste.« zu stoßen, stößt mir schon sehr sauer auf.
Auch verfällt Paolini endgültig zu sehr in der detailierten Beschreibung von meiner Meinung nach nichtigen Rüstungen, Bauten oder Schnörkeln. Ja, ein Autor fantastischer Literatur ist darauf angewiesen, sein Gedankenkonstrukt zu beschreiben. Aber irgendwo gibt es Grenzen, die nicht überschritten werden sollten, weil diese Versessenheit auf Kleinigkeiten einfach so ermüdend langweilig ist, dass ich das Buch aus der Hand legen oder wahlweise ganze Absätze überspringen möchte. Die Geschichte nahm dadurch lähmend langsam an Fahrt auf und die, im Vergleich zu anderem, nur rudimentär beschriebenen Schlachtszenen wirkten farblos und hingeschludert. Ich war zwar nicht in meiner »Ehre als Leser« getroffen, aber es hat mich enttäuscht.
Die Geschichte selbst hingegen zu beurteilen ist völlig müßig, da jeder hier für sich selbst entscheiden muss, ob sie ihm gefällt. Mir gefällt sie nach wie vor, aber der Zauber der beiden ersten, vor allem des ersten Bandes, bleibt leider aus. Dennoch werde ich mit Freuden auf das Finale warten und es lesen, sobald es veröffentlicht wurde.

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