Dienstag, 3. März 2009

Buchdegradierung

Was hat es mit dieser neuen Mode auf sich, gute Bücher mit neuen, den Verfilmungen entliehenen Covers zu versauen? Entschuldigt, werte Stimmen in meinem Kopf, aber hier muss ich leise gegen das laute Leben protestieren. Was soll der Mist? Die Bücher waren zuerst da, sie haben erst die Grundlage für den Film gebildet. Anders als bei den "Büchern zum Film", wie es sie bei Star Wars gibt, die einfach die Geschichte des Films verfeinern oder weiterstricken, ist es bei Buchverfilmungen eine dreiste Frechheit, die Bücher den Filmen unterzuordnen. Hier greife ich nur das aktuellste Beispiel auf, das ich gestern im Buchladen meines Vertrauens sehen musste: Bernhard Schlinks »Der Vorleser«. Was soll das? Kate Winslet auf dem Cover? Die Alte mag eine tolle Hannah gespielt haben, das kann ich noch nicht beurteilen, aber Szenenbilder eines Hollywood-Blockbusters auf das Buch zu hauen, das den Film erst ermöglichte, ist eine Frechheit. Es sollte umgekehrt sein, wenn überhaupt. Buch und Film sind zwei grundverschiedene Medien. Bei meiner ganzen Liebe zum Film - und die ist nicht gerade winzig! -, hier rebelliert etwas Elitäres in mir. Ein weltliterarisches Schwergewicht wie beispielsweise Schlinks Vorleser dem Film unterzuordnen ist einfach geschmacklos. Damit degradiert man in meinen Augen sowohl das Buch als auch den Autoren dahinter, nur um nochmal neue Kasse mit dem Werk zu machen. Selbstverständlich ist es eine große Ehre, eine Vorlage für einen Hollywoodfilm geliefert zu haben, aber den Film dann zu benutzen, um das Buch als Goldesel zu missbrauchen ist einfach falsch.
Wenn man eine Verbindung dieser zwei Medien herstellt, dann doch bitte in der richtigen Rangordnung: ein Buchcover als Filmcover, aber keine Filmszenen, die einem jede Chance zur Eigenkreation der Charaktere im eigenen Kopf rauben.
Kotzen könnt' ich ob dessen.

1 Kommentar:

  1. hm, ja schon, aber damit wird das buch einfach einer breiteren öffentlichkeit bekannt. und damit auch mehr gekauft. oder?

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